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Hinter den Kulissen der REWAG-Nächte

Vanessa Meier organisiert seit 2012 eines der beliebtesten Sommer-Events Regensburgs – und erlebt dabei jedes Jahr Überraschungen.

Von Stephanie Stark

Große Bühnen, beeindruckende Darbietungen, mitreißende Auftritte: Wer die REWAG-Nächte kennt, ist von ihnen begeistert – ahnt aber oft nicht, wie viel Arbeit im Hintergrund erforderlich ist, um dem Publikum eine perfekte Inszenierung zu bieten. Ob es um die Buchung der Künstler, die Programmzusammenstellung, den Bühnenaufbau, den Soundcheck, die Verpflegung oder die Lichttechnik geht, es gibt eine Frau, bei der die Fäden zusammenlaufen: Seit 2012 ist Vanessa Meier Organisationsleiterin der REWAG-Nächte. Es ist die Abwechslung, die die Regensburgerin an ihrer Aufgabe reizt. “Ich habe mit ganz verschiedenen Leuten zu tun, vom Handwerker bis zur Künstlerin.” Mit unterschiedlichsten Charakteren zurechtzukommen, sei manchmal herausfordernd, oft aber auch bereichernd. Und Jahr für Jahr erlebt sie neue Überraschungen.
 

Eine Hochzeit mitten im Aufbau-Trubel

Vor einigen Jahren hatte ein Paar den Stadtpark als Ort für die freie Trauung auserkoren. Während Meiers Team gerade mit dem Aufbau für die REWAG-Nächte beschäftigt war, trudelte ein verdutzt dreinblickendes Brautpaar ein. “Sie sind mit ihrem ganzen Mobiliar angerückt und wollten loslegen”, erinnert sich Meier. Es hat “ein großes Tohuwabohu” gegeben – zumal zunächst unklar war, wie es zu der Überschneidung der beiden Veranstaltungen kommen konnte. “Wir haben dann erst mal eine Flasche Sekt geköpft, um die Situation zu entspannen”, erzählt Meier. Der Soundcheck wurde kurzerhand umverlegt, damit die Trauung wie geplant stattfinden konnte.

Ein ganz eigenes Thema bei den REWAG-Nächten ist das Wetter. “Seit letztem Jahr ist eigens dafür ein Wettermann im Einsatz, der vorab Prognosen abgibt und auch während des Abends das Wetter im Blick behält”, verrät Meier. Besonders im Gedächtnis blieb ihr ein schweres Gewitter am Ende des Abends vor zwei Jahren. “Es ist natürlich auch für uns nicht schön, wenn wir abbrechen müssen”, gesteht die Organisatorin ein. “Aber die Sicherheit der Besucher geht vor.” Auch bei Protest.
 

Wenn der Brunnen zur Bühne wird

Und wenn die Temperaturen tropische Grade erreichen? Dann gibt es kreative Ideen. “Vor vielen Jahren – es war brütend heiß – nutzte die Band Taraf Goulamas aus Südfrankreich den Brunnen im Stadtpark für eine Abkühlung, stellte sich hinein und spielte dort”, berichtet Meier.

Ein Highlight für die Organisatorin war der Besuch des Schauspielers Sky du Mont für eine Lesung auf der REWAG-Bühne. “Mit dieser wahnsinnigen Stimme könnte er das Telefonbuch vorlesen und ich würde gebannt lauschen”, schwärmt Meier. Backstage bestätigte sich der positive Eindruck. “Total unprätentiös, nahbar und bodenständig”, so beschreibt Meier ihr Idol. Sky du Mont.

Es kann aber auch anders laufen. Einmal kam es zwischen zwei Bands zu einem Gerangel, weil sich der Soundcheck verzögerte und eine der Gruppen nicht von der Bühne gehen wollte. “Da ist das Temperament mit den Musikern durchgegangen”, schildert Meier. Immer wieder sei psychologisches Gespür gefragt.
 

Mit Leiterwagen und Kerzenleuchter

Alljährlich fasziniert ist sie von der Treue mancher Besucher. “Es gibt Gesellschaften, die sich explizit jedes Jahr zu den REWAG-Nächten verabreden und dann zu sechst, acht, zwölft mit dem Leiterwagen Bierbänke, Kerzenleuchter ankarren.” Diese Gruppen freuten sich das ganze Jahr darauf, sich zu treffen und zusammen den Abend zu genießen. “Die zelebrieren das richtig!”

Nach den REWAG-Nächten ist vor den REWAG-Nächten: Schon Anfang November beginnen die Vorbereitungen für das darauffolgende Jahr. Zunächst geht es darum, die Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie ins Konzept einzubinden. Als vor einigen Jahren die Künstlerin Ewa Partum ausstellte, die in ihren Werken oft große Druckbuchstaben wie sie in Polen lange Zeit für Propagandazwecke genutzt wurden integriert, verteilte die REWAG solche Buchstaben rund um den Brunnen und Besucher legten damit Liebeserklärungen und zitierten Gedichte und Liedtexte. Da waren wir richtig berührt“, erinnert sich Meier. Grundsätzlich gehe es darum, Kunst niederschwellig zugänglich zu machen. “An diesen Abenden fällt der Eintritt für das Museum weg, man kann einfach kostenlos an Führungen teilnehmen und so auch Kinder und Jugendliche ans Thema Kunst heranführen.”
 

Am Freitagabend beginnt die Magie

Kurz vor dem Veranstaltungstermin herrscht im Stadtpark geschäftiges Treiben. Zusammen mit dem gesamten Team und dem technischen Leiter, Zoltán Ritter, entstehen die Kulissen für die REWAG-Nächte auf der grünen Wiese. Stromkabel und Wasserleitungen werden verlegt, die Bühnen aufgebaut und Soundtechnik eingerichtet, Handlanger und Handwerker schleppen kistenweise Material von A nach B. “Man muss schon den einen oder anderen Spruch abkönnen und seine Frau stehen”, sagt Meier, um hinterherzuschicken: “Aber wenn es dann Freitagabend wird und der Park sich mit Menschen, Leben und Musik füllt, freue ich mich einfach riesig!”